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Archäologen finden Dorf bei Colbitz

Ausgrabungen - Archäologen finden Dorf bei Colbitz

 

 

Die Grabungshelfer legen die Grundflächen und Überreste der
ehemaligen Gebäude der Wüstung "Listen" in der Nähe von
Colbitz an der Autobahn 14 frei. Foto: Martin Walter

 

Bei Ausgrabungen nahe der Autobahn 14 nahe Colbitz wurde Interessantes entdeckt, denn Sachsen-Anhalt ist reich an archäologischen Funden.

 

Von Martin Walter

 

Colbitz l Wo heute nördlich von Colbitz ein Feld liegt und bereits ein Teilstück der Autobahn 14 gebaut ist, stand vor rund 1000 Jahren ein großes Dorf. Diese Wüstung wird derzeit durch Ausgrabungen im Zuge des weiteren Autobahnausbaus zu einem Großteil freigelegt.

„Wir wussten bereits vorher, dass uns hier interessante Dinge erwarten“, sagt Susanne Friederich, die Projektleiterin vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie. Denn aus einer historischen Kirchensteuerliste ging hervor, dass sich dort einst das Dorf „Listen“ befunden hat.

 

Häufigste Funde sind Keramik und Schmuck

 

„Die Siedlung war vermutlich vom 9. bis 15. Jahrhundert bewohnt und ist wahrscheinlich slawischen Ursprungs, wie wir an der Verzierung der Keramiken festmachen können“, erklärt Daniela Frehse. „Keramik, Schmuck und Dinge des alltäglichen Lebens“ sind auch die häufigsten Fundstücke, auf die die Grabungsmitarbeiter und Archäologen stoßen und die selbst nach Jahrhunderten im Erdreich noch relativ gut erhalten sind, wie die stellvertretende Grabungsleiterin weiter ausführt.

Gefunden werden die Artefakte zumeist in dunkel verfärbten Flächen im Erdreich, bei denen es sich laut Frehse um Grubenhäuser handelt. Rund 30 Gebäudeüberreste beziehungsweise deren Keller wurden auf dem Gebiet des ehemaligen Listen entdeckt. Ebenso 20 Brunnen und die Überreste einer Kirche mit umliegenden Friedhof, auf dem über 800 Gräber dokumentiert wurden.

Ein Gebäudegrundriss mit einem Ofen könnte als Bäckerei für den Ort gedient haben. Eine weitere Stelle, an der eine Vielzahl von Trinkgefäßen gefunden wurde, wird von Frehse scherzhaft als „Wirtshaus“ bezeichnet. Eine weitere Fundstelle mit zwei Pferdeschädel, Hufeisen und Fuhrwerknägel deute auf eine Stallung hin.Das und einige Funde, die aus anderen Regionen stammen müssen, sprechen für „Handelsbeziehungen, die in alle Himmelsrichtungen betrieben wurden“, so Frehse. Sie weist jedoch darauf hin, dass es sich dabei um interpretative Spekulationen handelt

 

Funde werden katalogisiert

 

Nichtsdestotrotz kann man sich förmlich vorstellen, wie hier vor hunderten Jahren Händler aus der Ferne ihre Pferde in den Stallungen abgegeben haben, um sich nach einer strapaziösen Reise ein Bier in dem nahegelegenen Wirthaus zu gönnen. Eben alles in allem ein typisches Dorf, dessen alltägliches Leben mit Hilfe der Hinterlassenschaften nach und nach rekonstruiert werden kann. „Die Funde werden katalogisiert und anschließend in das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Halle gebracht, wo sie eingehender untersucht werden können und anschließend im Landesmuseum für Frühgeschichte präsentiert werden können“, erklärt Frehse die weitere Vorgehensweise.

Eine Frage bleibt jedoch noch ungeklärt: Warum haben die Einwohner Listen aufgegeben? „Brände, Seuchen, schlechte Ernten, die möglichen Gründe sind vielfältig“, zählt Friederich auf. Doch mit ein bisschen Glück stoßen die Archäologen bei ihren weiteren Arbeiten auf Indizien für die Verwaisung des Ortes.

 

Quelle: Volksstimme vom 07.03.2018

 

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Sprechzeiten: Dienstag 16.00 - 18.00 Uhr